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⚠️ Überzüchtung – wenn Schönheit Leiden bedeutet

Schönheit ist oft teuer bezahlt – und das nicht nur mit Geld. Manche Rassemerkmale, die wir besonders süß, edel oder „besonders“ finden, bedeuten für die Tiere Atemnot, Schmerzen oder ein stark erhöhtes Krankheitsrisiko.  

Diese Seite erklärt, was mit Überzüchtung und Qualzucht gemeint ist, zeigt Beispiele und soll dir helfen, solche Zuchten zu erkennen und zu vermeiden.

Was ist Überzüchtung?

Überzüchtung bedeutet, dass bestimmte körperliche Merkmale durch Zucht immer extremer werden, bis die Tiere dadurch eingeschränkt sind oder leiden.  


Häufig überschneidet sich das mit dem, was rechtlich als Qualzucht bezeichnet wird: Zucht, bei der Schmerzen, Leiden oder Schäden bewusst in Kauf genommen werden.

Warum passiert das?

    Menschen wünschen sich oft optische Besonderheiten:
    * sehr flache Nasen, große Augen, winzige Körper
    * auffällige Fellfarben, gefaltete Ohren oder besonders lange Haare
    * Tiere, die auf Fotos „speziell“ wirken

    Züchter und Handel bedienen diese Nachfrage, weil sich solche Tiere gut verkaufen. Tiere mit extremen Merkmalen werden weiter verpaart, auch wenn sie gesundheitliche Probleme haben.  

    So verschiebt sich der Rassestandard Schritt für Schritt – weg von einem funktionalen Körper hin zu einem Show-Tier.

Warum das ein Problem ist:

    Tiere können sich nicht aussuchen, wie sie aussehen. Sie tragen die Folgen unserer Wünsche ihr Leben lang.
    Viele Probleme sind chronisch: Atemnot, Gelenkschmerzen oder Augenprobleme begleiten die Tiere ständig und lassen sich oft nur lindern, nicht heilen.
    Halterinnen und Halter deuten typische Krankheitssymptome häufig als rassetypisch oder „normal“ und merken erst spät, wie sehr ihr Tier eingeschränkt ist.
    Überzüchtung ist nichts Natürliches, sondern das Ergebnis von bewusstem Auswählen bestimmter Merkmale, obwohl bekannt ist, dass die Tiere dadurch leiden.

💔 Schönheit darf nicht weh tun – auch nicht bei Tieren.

Acht häufige Beispiele für Qualzucht

Mops & Französische Bulldogge
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Mops & Französische Bulldogge

Möpse, Französische Bulldoggen und andere kurzköpfige Rassen werden auf besonders runde Köpfe, kurze Nasen und viele Falten gezüchtet.

Leiden:

💡 Wissen: Operationen können die Atmung verbessern, machen aus einem stark überzüchteten Hund aber kein gesundes Tier. Wer noch keinen Hund hat, sollte solche Rassen sehr kritisch hinterfragen.
Perserkatze
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Perserkatze

Perserkatzen wurden über Jahrzehnte auf ein sehr flaches Gesicht und große, runde Augen gezüchtet.

Leiden:

    * verengte oder deformierte Atemwege können zu Atemproblemen führen
    * Tränenkanäle sind oft verengt; die Augen tränen ständig und müssen regelmäßig gereinigt werden
    * Zahnfehlstellungen erschweren das Fressen und können schmerzhaft sein
    * Hautfalten im Gesicht begünstigen Entzündungen und Pilzinfektionen
💡 Wissen: Viele Perserkatzen benötigen ihr Leben lang tägliche Augen- und Gesichtspflege und regelmäßige tierärztliche Kontrolle. Ein edler Look bedeutet für sie oft mehr Aufwand und mehr Beschwerden.
Schauwellensittich
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Schauwellensittich

Schauwellensittiche wurden für Ausstellungen gezüchtet: besonders großes Kopfgefieder, ein flauschiger Look und sehr volle Federn.

Leiden:

    * das dichte Kopfgefieder kann die Sicht einschränken; die Tiere stoßen leichter an
    * Schnabel- und Kieferdeformationen erschweren Fressen und Nagen
    * das höhere Gewicht und die Federmenge können das Fliegen erschweren
    * Inzucht in manchen Linien schwächt das Immunsystem
💡 Wissen: Ein besonders großer oder flauschiger Wellensittich wirkt für uns beeindruckend, für das Tier bedeutet es oft, dass es schlechter sieht und sich weniger sicher bewegen kann.
Widderkaninchen
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Widderkaninchen

Widderkaninchen wurden auf lange, hängende Ohren gezüchtet, die den Kopf optisch niedlicher wirken lassen.

Leiden:

    * die Ohren liegen oft schwer am Kopf an und können die Hörfähigkeit einschränken
    * der Gehörgang ist schlechter belüftet; Entzündungen und Schmerzen sind häufig
    * Veränderungen am Schädel können Nerven einengen und zusätzliche Probleme verursachen
💡 Wissen: Die süßen Ohren sehen harmlos aus, machen es aber schwerer, die Tiere gesund zu halten. Ohrkontrollen und tierärztliche Behandlungen sind bei Widdern besonders wichtig.
Schleierschwanz-Goldfisch
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Schleierschwanz-Goldfisch

Schleierschwanz-Goldfische und andere Hochzuchtformen haben sehr lange Flossen und oft einen stark verkürzten, kugeligen Körper.

Leiden:

    * lange, schwere Flossen erschweren das Schwimmen und Wenden
    * veränderte Körperform belastet Wirbelsäule und Schwimmblase; die Fische kippen leichter um oder liegen am Boden
    * hervortretende Augen sind verletzungsanfällig und können das Sehfeld einschränken
💡 Wissen: Das prachtvolle Aussehen wirkt für uns besonders, für den Fisch bedeutet es eine dauerhafte körperliche Einschränkung. Robustere, weniger extrem gezüchtete Formen kommen mit ihrem Körper deutlich besser zurecht.
Albino-Reptilien
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Albino-Reptilien

Bei vielen sogenannten Albino- oder amelanistischen Reptilien fehlt ein Teil des dunklen Pigments. Die hellen Farben wirken spektakulär, haben aber Folgen.

Leiden:

💡 Wissen: Albino-Reptilien brauchen besonders durchdachte Beleuchtung, Rückzugsmöglichkeiten und Schutz vor zu starker Strahlung. Sie sind keine „Luxusvarianten“, sondern Tiere mit erhöhtem Risiko.
Malteser & Zwerghunde
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Malteser & Zwerghunde

Sehr kleine Hunderassen und Mini-Varianten werden gezielt auf winzige Körpergröße gezüchtet.

Leiden:

    * kleine, zierliche Knochen brechen leichter; Gelenkprobleme (z. B. Kniescheibenluxation) sind häufiger
    * im winzigen Kiefer ist oft zu wenig Platz für alle Zähne, was zu Zahnproblemen und Schmerzen führt
    * empfindliche Augen und Tränenkanäle verursachen vermehrten Ausfluss
    * sehr kleine Hunde kühlen schneller aus
💡 Wissen: Je extremer eine Rasse in Richtung „immer kleiner“ gezüchtet wird, desto höher ist das Risiko für gesundheitliche Probleme. Mischlinge oder normal große Rassen haben oft die deutlich besseren Karten.
Scottish-Fold-Katze
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Scottish-Fold-Katze

Bei Scottish-Fold-Katzen sorgt eine Genmutation dafür, dass die Ohrknorpel weich werden und nach vorn umklappen. Genau dieselbe Veränderung betrifft aber auch andere Knorpel und Knochen im Körper.

Leiden:

    * schmerzhafte Veränderungen an Gelenken und Wirbelsäule (Osteochondrodysplasie)
    * Bewegungseinschränkungen und Lahmheiten bereits in jungem Alter
    * erhöhte Anfälligkeit für Ohrenentzündungen
💡 Wissen: Die geknickten Ohren sind nur das sichtbare Zeichen einer Knorpelerkrankung, die den ganzen Körper betrifft. Die niedliche Optik steht bei dieser Rasse in direktem Zusammenhang mit chronischen Schmerzen.

Möchtest du wirklich Tierliebe zeigen?

Dann unterstütze Tierschutz statt Nachfrage nach Qualzucht und Mode­rassen.

Eine Möglichkeit ist, ein Tier aus dem Tierschutz zu adoptieren, statt gezielt nach extremen Rassemerkmalen zu suchen. Wenn für dich im Moment keine Adoption passt, kannst du auch helfen, indem du solche Zuchten bewusst meidest, aufklärst und seriöse, gesundheitsorientierte Zucht oder besser Tierschutzorganisationen unterstützt.

Streunerhilfe Plau e. V.→